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GALERIE SYLVIA KOVACEK

Saal Carabinierisaal

Stand Nr. 17

Als Emilie Mediz-Pelikan im Februar 1894 gemeinsam mit ihrem Ehemann Karl Mediz von München nach Dresden umgezogen war, hatte das Paar, das stets eng zusammenarbeitete, bereits zu einem gemeinsamen Malstil gefunden, der sich in diesem Werk besonders gut offenbart. Das Gemälde zeigt eine Wiese mit verblühtem und teils noch blühendem Löwenzahn. Eine Gruppe von Bäumen in der Blüte – am oberen Bildrand scharf abgeschnitten – durchzieht vertikal die Komposition. Dazwischen findet sich ein belaubter Busch. Im Hintergrund ist ein Gewässer, vielleicht ein See, zu erkennen, dahinter die zarten Umrisse mehrerer Berge.

Der reduzierte Bildaufbau in klar abgegrenzten Schichten, in denen die Bäume silhouettenhaft eingefügt wurden, geben Hinweis auf Emilie Mediz-Pelikans Aufenthalt in Adolf Hölzels Malerkolonie in Dachau ab 1886 und den Formalismus, den Hölzel an seine Schülerinnen und Schüler vermittelte. (1) Besonders die Baumstämme, die die Komposition vertikal dominieren und immer wieder in Emilies und Karl Mediz Werken zu sehen sind, sollten sich einige Jahre später auch in Gustav Klimts Landschaften, wie etwa dem "Buchenwald I" (um 1902, Öl auf Leinwand, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister) wiederfinden.

Besonders hervor sticht Emilie Mediz-Pelikans Interesse an der Wiedergabe von Oberflächen, wie das ornamentale Glänzen der Baumrinde. Die Blumen werden in ihrem jeweiligen Blühstadium detailreich herausgearbeitet, wodurch die Wiese regelrecht zu flimmern scheint. Das fiel bereits Ludwig Hevesi auf, der die "Passion des Gewimmelmalens" eigens hervorhebt. (2) Diese nahsichtige Konzentration auf kleinste Details, die auch Karl Mediz Werke prägt, erinnert an die Malweise der Präraffaeliten. Der recht eng gehaltene Fokus macht es schwer, die Landschaft zu lokalisieren, wodurch sie einen beinah universalen Eindruck bekommt. Diese beiden Eigenschaften rücken das Werk in die Nähe des Symbolismus.

(1) Siehe dazu: Markus Fellinger, Mikrokosmos – Makrokosmos. Karl Mediz und Emilie Mediz-Pelikan, in: Formalisierung der Landschaft, Husslein-Arco/Klee (Hgg.), Ausst.-Kat. Belvedere, Wien 2013, S. 49-63.
(2) Ludwig Hevesi, 1903, Nachdruck in: Emilie Mediz-Pelikan 1861-1908. Karl Mediz 1868-1945, Oberhuber/Seipel/Geretsegger (Hgg.), Ausst.-Kat. Hochschule für Angewandte Kunst in Wien/Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz, 1986, S. 13.

Emilie Mediz-Pelikan

"Löwenzahn im Dresdner Land", 1895
Öl auf Leinwand, 60,5 x 88 cm,
rechts unten signiert: E. Pelikan
Bild: Galerie Sylvia Kovacek

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