18.02.2020

#2 - Die Aussteller

Artisten, Tiere, Absurditäten!

Mit seinem roten Hinterteil signalisiert das Pavianweibchen seine Paarungsbereitschaft, beim Männchen sind es Sitzschwielen, damit er bequem ausruhen kann. Der Krieger setzt sich dagegen Hörner auf den Helm, um dem Feind Angst einzujagen. Die rote Nase des Clowns schaut nach Spaß aus, während eine Taube der Heilige Geist sein kann und gerne Frieden bringt. Symbole und Signale überall, auch in der Kunst!


Christoph Bacher Archäologie Ancient Art
Männersachen: Ein Mantelpavian sitzt monumental auf einer Plinthe. Er schaut bei Christoph Bacher Archäologie Ancient Art mit verschmitztem Lächeln aus seinen großen, runden Augen. Zwischen den Beinen ist sein langer Phallus prominent platziert. Die ganze Pracht wurde im Neuen Reich, in der 18. oder 19. Dynastie, 1540-1186 vor Christus aus Kalkstein gehauen. Hellenistisch ist dagegen ein nicht weniger beeindruckender Piloshelm mit Hörnern und Gorgone aus dem 4. Jahrhundert vor Christus.

Ulf Englich Inh. Franz Wagner

Eine Taube zu Ostern greift zwar schon auf Pfingsten vor, wenn die Kirche Kommen und Wirken des Heiligen Geistes feiert. Einer so prachtvollen „Friedenstaube mit Herzanhänger“ aus Frankreich, aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, in Gold, Silber und Diamanten, wie bei Ulf Englich Inh. Franz Wagner, sei das erlaubt, denn: „Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“, weiß das Matthäusevangelium.

EHRL fine art & antiques
Die Gans galt den Kelten als stets wachsames Tier, das seine Familie verteidigt und war daher Vorbild. In der großen Zinkgussplastik des Münchner Bildhauers Josef Hinterseher (1873-1955) muss sich ein Jüngling bücken, um eine fliehende Gans zu packen. Das alles passiert auf einem stilisierten Landschaftssockel. EHRL fine art & antiques bringt das für seine Salzburg-Premiere in die Residenz mit. Und ergänzt unter anderem mit einem von Osvaldo Borsani 1952 entworfenen Barschrank.

Galerie Française Gérard Schneider
Bei Marc Chagall geht es diesmal in die Manege, wo es sich lustig und bunt abzuspielen scheint. Die Welt des Zirkus und ihr Personal, all die Akrobaten, Dompteure, Clowns, Seiltänzerinnen und Kunstreiterinnen hatten es Chagall angetan. In unzähligen Arbeiten hat er versucht diese heitere Atmosphäre einzufangen. Besonders duftig und leicht gelang es ihm beim Gemälde „Au cirque“, 1962, Öl auf Holz, 20,7 x 13,2 cm, das die Galerie Française Gérard Schneider nach Salzburg mitnimmt.

Galerie Susanne Bauer

Georges Rouault gilt als großer stilistischer Einzelgänger und lässt sich nur schwer einordnen. Nach einer Lehre als Glasmaler ging er an der École des Beaux-Arts in Paris, wo er bei Elie Delaunay und dann bei Gustave Moreau studierte. Er hat sich stark mit religiösen Themen auseinandergesetzt. Aber auch ihn faszinierte der Zirkus mit seinen Artisten, Clowns und Tänzern, selbst wenn sie beim schwermütigeren Rouault nie so fröhlich und heiter wie bei Chagall sind. Zu erkennen ist das auf der Gouache „Danseuse et clown“ von 1932 bei Galerie Susanne Bauer.

Kunsthandel Natalia Riedl
Wie ein großer Zirkus der Absurditäten und Abstrusitäten öffnen sich die sehr intensiv an Hieronymus Bosch inspirierten Welten des Russen Micha Lobi. Er übersetzt Boschs fantastische Szenarien, Fantasiewesen, Monster, all die rätselhaften Gestalten und die malträtierten Menschen mittendrinnen, mit einem kräftigen Augenzwinkern in heutige Bildwelten. Etwa in „Sausage Shop“, 2006, Öl auf Holz, oder „The Square”, 2009, Öl auf Holz. Kunsthandel Natalia Riedl aus München bietet diese bunten Schaubilder in der Residenz an.